Was die AIA sind
Die Auftraggeber-Informationsanforderungen sind das Dokument, das Sie jeder beauftragten Partei (Architektinnen, Fachplaner, Bauunternehmen) zum Zeitpunkt der Vergabe aushändigen. Es legt fest, welche Informationen sie zu liefern haben, in welchem Format, in welcher Detailtiefe und bis wann.
Es ist ein vertragliches Dokument. Dem Vertrag beigefügt oder darin in Bezug genommen, werden seine Anforderungen mit der Unterschrift für die beauftragte Partei bindend. In den AIA legen Sie als Auftraggeber die Bedingungen der Informationen fest, die Sie erhalten, und sie sind der wirksamste Hebel, den Sie haben, damit die Daten bei der Übergabe auch nutzbar sind.
Eine Anmerkung zum Namen. Historisch waren dies unter PAS 1192-2 die „Employer's Information Requirements". Mit ISO 19650 wurden daraus 2018 die „Exchange Information Requirements", um deutlich zu machen, dass sie den Informationsaustausch zwischen den Parteien regeln, nicht nur die Übergabe vom Auftraggeber an den Auftragnehmer. Im deutschen Sprachraum hat sich dafür der Begriff Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) durchgesetzt; beide englischen Begriffe meinen dasselbe Dokument.
Wo sie in der Kaskade stehen
ISO 19650 ordnet Informationsanforderungen als Kaskade, von der Unternehmensstrategie bis hinunter zum einzelnen Ergebnis. Als Projektentwickler, der zugleich Auftraggeber und Anlageneigentümer ist, stehen Sie an der Spitze und schreiben vier der fünf Ebenen.
Organisatorische Informationsanforderungen
Ihre übergeordnete Festlegung, welche Informationen Ihr Unternehmen über alle Projekte und Anlagen hinweg benötigt. Einmal geschrieben, kaskadiert sie auf jedes Projekt.
Anlagen-Informationsanforderungen
Aus den OIR abgeleitet. Die Informationen, die Sie brauchen, um jede einzelne Anlage nach der Übergabe an Sie zu betreiben und instand zu halten.
Projekt-Informationsanforderungen
Aus den OIR und AIR abgeleitet. Die konkreten Fragen, die jedes Bauprojekt an jedem Entscheidungspunkt durch die Informationslieferung beantworten muss.
Auftraggeber-Informationsanforderungen
Die vertragliche Vorgabe an Ihre beauftragten Parteien. Sie legt fest, was genau zu erstellen ist, in welchem Format und wann. Um dieses Dokument geht es in diesem Leitfaden.
BIM-Abwicklungsplan
Die Antwort, die Sie erhalten. Ihre beauftragten Parteien bestätigen darin, wie sie Ihre AIA erfüllen werden. Sie schreiben OIR, AIR, PIR und AIA; die Parteien schreiben den BAP.
Wer sie schreibt und wann sie herausgehen
Als Projektentwickler und auftraggebende Partei erstellen Sie (oder Ihr BIM-Berater bzw. Informationsmanager) die AIA, und zwar vor der Ausschreibung. So sind die Informationsanforderungen von Anfang an Teil des Vertrags und werden nicht erst nachträglich ergänzt.
- In der Ausschreibungsphase: Geben Sie sie als Teil des Ausschreibungspakets heraus, damit Bieter die BIM-Ressourcen in ihr Honorar einkalkulieren können.
- Bei der Beauftragung: Nehmen Sie sie im Vertrag in Bezug, damit die Anforderungen rechtlich bindend werden.
- Eine je Beauftragung: in der Regel getrennte AIA für das Planungsteam, den Generalunternehmer und etwaige Fachunternehmen.
Was Sie zurückbekommen, ist ein BIM-Abwicklungsplan. Der vorvertragliche BAP kommt mit dem Angebot und weist die Leistungsfähigkeit nach; der nachvertragliche BAP folgt innerhalb einer vereinbarten Frist nach Zuschlag und bestätigt im Detail, wie das Team Ihre AIA erfüllt.
Was in den AIA steht
ISO 19650-2 (Abschnitt 5.2) verlangt drei Bestandteile von den AIA: Informationsanforderungen, Standards der Informationslieferung sowie Methoden und Verfahren der Informationserstellung. Die Vorlage gliedert diese in zehn Abschnitte und erweitert sie um Informationsbedarfstiefe, Sicherheit und Abnahme.
Projektinformationen
Der Projektkontext: Eckdaten, die auftraggebende Partei und die Zweckbestimmung, die die AIA mit dem Vertrag verbindet.
Organisatorische Informationsanforderungen
Die Unternehmensziele, die von Informationen aus diesem Projekt abhängen (Lebenszykluskosten, regulatorische Einhaltung, Befüllung des FM-Systems), und die Informationen, die jedes davon benötigt.
Anlagen-Informationsanforderungen
Die Anlagendaten, die Sie bei der Übergabe benötigen, je Anlagengruppe, mit Datenformat und Ziel-FM-System. Der wichtigste Abschnitt: Was hier nicht festgelegt ist, erfassen die Auftragnehmer nicht.
Projekt-Informationsanforderungen
Die Meilensteine des Informationsaustauschs und die gewerkespezifischen Anforderungen: was in jeder Phase entsteht und welche Fachleistungen über die Standardmatrix hinausgehen.
Informationsstandards
Die Standards für die Informationserstellung: ISO 19650, Uniclass 2015, die Namenskonvention und die technischen Parameter (Koordinatensystem, Einheiten, Software, IFC-Schema).
Methoden & Verfahren der Informationserstellung
Der BAP, den Sie als Antwort verlangen, die Erwartungen an Koordination und Kollisionsprüfung, die Föderationsstrategie und die Lieferplanung (MIDP, TIDPs, RACI).
Anforderungen an die gemeinsame Datenumgebung
Die CDE-Plattform, die vier Informationszustände und die Konfigurationsregeln. Richten Sie diese an Ihren eigenen Systemen aus, damit Daten ohne manuelle Neuerfassung in Ihr AIM/CAFM fließen.
Informationsbedarfstiefe
Die je Phase erforderliche LOD/LOI. Mindestens LOD 500 (Bestand, vor Ort verifiziert) bei der Übergabe, mit LOI-Feldern, die zu Ihrem CAFM-Datenschema passen.
Sicherheitsanforderungen
Die Sicherheitseinstufung und Vertraulichkeitsklassifizierung nach ISO 19650-5. Standard für die meisten gewerblichen Arbeiten; Sensitive oder höher für Anlagen mit kritischen Systemen.
Abnahmekriterien
Wie Sie beurteilen, ob die Ergebnisse Ihre Anforderungen erfüllen. Ohne klare Kriterien ist die Ablehnung einer nicht konformen Einreichung eine Diskussion, keine Entscheidung.
Die Abschnitte, die alles entscheiden
Sie können alle zehn gut schreiben, doch fünf davon tragen den größten Teil des Ergebnisses, und genau die sollten Sie vor allem anderen richtig machen.
| Abschnitt | Warum er das Ergebnis entscheidet |
|---|---|
| 3 · AIR | Was hier nicht festgelegt ist, erfassen die Auftragnehmer nicht. Das ist Ihr FM-System bei der Übergabe. |
| 7 · CDE | Richten Sie sie an Ihren Systemen aus, und die Daten fließen direkt in Ihr AIM/CAFM, ohne manuelle Neuerfassung. |
| 8 · LOIN | Legt LOD/LOI je Phase fest. Geben Sie LOD 500 bei der Übergabe vor und die LOI-Felder, die zu Ihrem CAFM-Schema passen. |
| 9 · Sicherheit | Die Einstufung, die bestimmt, wie streng die gesamten Projektinformationen kontrolliert werden. |
| 10 · Abnahme | Die Kriterien, mit denen Sie ablehnen können, was die Vorgabe nicht erfüllt. Ohne sie können Sie es nicht. |
Wie Sie sie fertigstellen
Die Vorlage führt in jedem Abschnitt graue Hinweistexte. Das Vorgehen ist unkompliziert:
- Füllen Sie Abschnitt 1 mit den projektspezifischen Eckdaten aus.
- Prüfen Sie die OIR/AIR/PIR-Abschnitte und verknüpfen Sie sie mit Ihren eigenständigen OIR-, AIR- und PIR-Dokumenten.
- Vervollständigen Sie die Informationsstandards: Software, Koordinatensystem, Klassifizierung.
- Legen Sie Ihre CDE-Plattform fest.
- Befüllen Sie die LOD/LOI-Matrix passend zu Ihren CAFM-Datenanforderungen.
- Löschen Sie sämtliche grauen Hinweistexte, bevor Sie die AIA an die beauftragten Parteien herausgeben.
- Fügen Sie sie dem Vertrag bei oder nehmen Sie sie in den Ausschreibungsunterlagen in Bezug.
Der letzte Punkt wiegt schwerer, als er klingt: Die Hinweise sind für Sie als Verfasser geschrieben. Lässt man sie stehen, signalisiert das jedem Bieter, dass das Dokument nie fertig wurde, und unfertige AIA bringen unfertige Ergebnisse.
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